SchwanbergForum

Der diesjährige Termin für das SchwanbergForum wird aufgrund der aktuellen Situation verschoben und geplant für den 27. Juni 2021.

Herzliche Einladung in die St. Michaelskirche zum Thema: "Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung - Ein Zukunftsversprechen, das noch einzulösen ist".

Die Communität Casteller Ring lädt ein, dem Gelingen der friedlichen Herbstrevolution 1989 auf die Spur zu kommen. Kerzen und Lichterketten haben ausgehend von der Nikolaikirche Leipzig die Mauer fallen lassen und uns ein einiges und freies Deutschland gebracht.

Die Kirchen der DDR haben „Erziehung zum Frieden“ als ihren Auftrag angenommen. Daraus entstand über drei Jahrzehnte die Friedensbewegung, die wesentlicher Teil des Erfolges war. Zudem gab sie der Ökumenischen Versammlung in Dresden mit ihren Forderungen nach demokratischen Reformen wesentliche Impulse. Dieser konziliare Prozess wurde weit über die DDR hinaus als Selbstverpflichtung in Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung diskutiert und damit Teil einer weltweiten Aufbruchsbewegung. Diese Ökumenische Versammlung und die Friedensbewegung wurden zu einem Modell christlicher Weltverantwortung über alle konfessionellen Verschiedenheit hinweg.

Die sich verschärfende weltweite Überlebenskrise fordert eine neue Wertschätzung dieser Grundüberzeugungen heraus. 30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung setzen wir uns dafür ein, dass die Arbeit der Friedensbewegung aus dem Schweigen geholt wird und die Selbstverpflichtung in Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung zum Grundbaustein einer neu gestaltenden Gesellschaft wird.

Programm

Das Programm des SchwanbergForums beginnt um 10:00 Uhr, unsere Gäste für den Tag sind: Altpropst Dr. Heino Falcke, Erfurt und Joachim Garstecki, Magdeburg und für die Communität Casteller Ring Sr. Ursula Teresa Buske und Sr. Ruth Meili.

  •  "Demokratiebewegung in Franken 1849"

  •  "Friedensarbeit als Lernbewegung in den Kirchen der DDR"

Mittagspause mit Getränken und Verpflegung

  •  „Umkehr in den Schalom“ – ein Zukunftsversprechen, das noch einzulösen ist

  •  "Aktueller Handlungsbedarf anhand von Beispielen zu: Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung"

Um 16:00 Uhr feiern wir einen Gottesdienst „Umkehr zu dem entgegenkommenden Gott“ mit Sr. Ruth Meili CCR.

Wir werden zwei Projekte unterstützen: gewaltfrei handeln e.V. Wethen für ökumenische Friedensarbeit und INKOTA-netzwerk e.V. Berlin für aktuelle ökumenische Nothilfe. Der Eintritt ist frei.

Ein Zukunftsversprechen, das noch einzulösen ist

Die Ökumenische Versammlung in der DDR 1989 vor dem Hintergrund globaler Gefahren 2019

Die Unterzeichner*innen des vorliegenden Textes aus den neuen und alten Bundesländern äußern sich zum 30. Jahrestag des Abschlusses der Ökumenischen Versammlung in der DDR 1988/89. Sie sind im konziliaren Prozess der Ökumene engagiert und halten seine Ziele heute für genauso aktuell, ja für noch dringlicher als 1989. Sie möchten die Erinnerung an die Ökumenische Versammlung von 1989 gern mit Ihnen teilen.

Dreißig Jahre nach dem Beginn der Herbst Revolution, dreißig Jahre nach dem Fall der Mauer, dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wird endlich über Erfolge und Versäumnisse im deutschen Einigungsprozess offen gestritten. Wir erinnern an die Ökumenische Versammlung in der DDR, die vor dreißig Jahren, am 30. April 1989, zu Ende ging und mit ihren Forderungen nach demokratischen Reformen wesentliche Impulse für die friedliche Revolution im Herbst 89 gab. Die Ökumenische Versammlung dachte über die DDR hinaus, als sie über Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der  Schöpfung als Selbstverpflichtung diskutierte. Sie war damit Teil einer weltweiten Aufbruchsbewegung, die sich den Überlebensfragen der Menschheit stellte. Sie wurde als „Handlungsgemeinschaft“ der Kirchen und christlichen Gemeinschaften in der DDR zu einem Modell christlicher Weltverantwortung, über konfessionelle Trennungen hinweg.

30 Jahre später müssen wir feststellen: Die menschengemachten Probleme der globalen Welt Armut, Hunger, Ausbeutung, Klimawandel, Flucht, Gewalt und Krieg sind weiter ungelöst. Sie sind 2019 um ein Vielfaches komplizierter, bedrohlicher und schwerer politisch zu bearbeiten. Der zeitliche Abstand zu 1989 und der anschließende System Wechsel verbieten es, die Antworten der Ökumenischen Versammlung von 1989 einfach auf die Situation von 2019 zu übertragen. Aber gefragt werden muss, ob ni cht die sich verschärfenden weltweiten Überlebenskrisen eine neue Wertschätzung für die Grundüberzeugungen der Ökumenischen Versammlung von 1989 geradezu herausfordern. Die Kündigung des INF Vertrages von 1987 über die Abrüstung der nuklearen Mittelstreckenraketen in Europa durch die USA und Russland stellt gegenwärtig alles in Frage, was bis heute durch Entspannungspolitik und kooperative Sicherheit erreicht worden ist. Der Vertrag war ein Schlüssel für das Gelingen der Friedlichen Revolution 1989 und für den Weg zur staatlichen Einheit Deutschlands 1990. Zu befürchten ist nun ein neues Wettrüsten mit nuklearen Mittelstreckenraketen in Europa und weltweit. Das bisherige ausbalancierte Gefüge von Abrüstungsverträgen droht auseinander zu brechen. Schon bringen Politiker die Stationierung von neuen Atomwaffen ins Gespräch. In dieser gefährlichen Situation für Europa müssen die Kirchen mit einer Stimme sprechen und gegen ein neues nukleares Wettrüsten Stellung beziehen.

Die Ökumenische Versammlung war 1988/89 eine Antwort auf die Zeichen der Zeit. Ihre Grundannahmen korrespondieren mit Jahrzehnte alten Lernerfahrungen der ökumenischen Bewegung. Sie folgten dem Umkehr Ruf Jesu „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“. Deshalb war die Versammlung nicht „überholt“, als die beginnende Demokratisierung der DDR 1990 von einem System-Wechsel überlagert wurde. Inzwischen fragen sich immer mehr Menschen in den Neuen Bundesländern, ob ihre Einwanderung in den neoliberalen Kapitalismus der Bundesrepublik das Ziel dieser gewaltfreien Ziel dieser gewaltfreien Revolution gewesen sein kann.

Die sich immer weiter öffnende Schere in unserer Gesellschaft zwischen Gewinnern und Verlierern, die die einen arm und die anderen immer reicher macht, ist ein Skandal, auch wenn er mit dem Etikett "marktkonforme Demokratie“ kaschiert wird. Das Gift des Populismus und Nationalismus breitet sich aus. Wir können nicht die Errungenschaften der Freiheit preisen, ohne ihre Verirrungen beim Namen zu nennen. Das Fazit über die deutsche Vereinigung würde freundlicher ausfallen, ginge sie mit wirklicher gesellschaftlicher Erneuerung einher, mit mehr Partnerschaft auf Augenhöhe, Chancengleichheit und Partizipation. Tatsächlich änderte sich 1990 im Osten fast alles und im Westen fast nichts. Noch immer uneingelöst ist das ist das Versprechen, das Grundgesetz durch eine Verfassung zu ersetzen, „die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist“ (Art.146 GG).

Wir setzen uns dafür ein, dass die drei „vorrangigen Optionen“ von 1989 für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung zu Bausteinen einer sozialen, ökologischen und ethischen Transformation von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Europa und weltweit werden. Zivile  Friedenspolitik und nicht militärgestützte Sicherheitspolitik muss Maßstab und Mittel für die Arbeit an Europas Zukunft sein. Deshalb unterstützen wir den Aufruf von 74 Organisationen und Institutionen aus 9 europäischen Ländern an die Abgeordneten des Europäischen Parlaments „Rettet das Friedensprojekt Europa. Für Friede. Für Menschenrechte. Für Europa“ vom 4. Februar 2019 (www.rettetdasfriedensprojekt.eu). „Die Förderung von Frieden und Menschenrechten droht der Abwehr von Migration und Flucht zum Opfer zu fallen.fallen.“ Der Aufruf „Rettet das Friedensprojekt Europa“ entspricht heute dem „ökumenische(n) Friedensdienst“, zu dem im Umbruch Europas die Kirchen in der DDR zusammenfanden und aufriefen. Daran zu erinnern heißt, das damalige Zukunftsversprechen im heutigen und andersartigen Umbruch Europas zu bekräftigen.

Im Februar 2019

Almuth Berger, Volkmar Deile, Heino Falcke, Jochen Garstecki, Heiko Lietz, Hans Misselwitz, Ruth Misselwitz, Elisabeth Raiser, Konrad Raiser, Gerhard Rein, Gudrun Rein

Dr. Heino Falcke wurde 1929 in Ostpreußen geboren. Nach dem zweiten Weltkrieg studierte er in der Bundesrepublik und in der Schweiz evangelische Theologie. 1952 trat er in den Dienst der evangelischen Kirchen in der DDR. Er heiratete 1956 Almuth geb. Kliche und hat mit ihr 5 Kinder und 13 Enkelkinder.

Dr. Falcke war zuerst als Dozent in einem kirchlichen Seminar und als wissen- schaftlicher Assistent an einer theologischen Fakultät tätig, wo er zum Doktor der Theologie promoviert wurde und sich habilitierte. Er entschied sich jedoch gegen eine Professur und wurde 1958 evangelischer Pfarrer. 1963 ernannte ihn die ev. Kirche zum Direktor eines kirchlichen Seminars und berief ihn 1973 zum ev. Propst des Propstsprengels Erfurt. Im Bund der ev. Kirchen in der DDR arbeitete er in Synoden und Leitungsgremien mit und wurde als Vorsitzender des „Ausschusses für Kirche und Gesellschaft“ gewählt.

Durch Schriften und Vorträge wie durch seine kirchenleitende Tätigkeit wurde er als einer der Vordenker der Kirchen in der DDR bekannt. Die Universität Bern verlieh ihm 1984 die Ehrendoktorwürde. Vom DDR-Staat und der Staatssicherheit wurde er als „Staatsfeind“ angesehen und als „operativer Vorgang“ bearbeitet. Er hat von seinem kirchlichen Amt aus in die Gesellschaft hineingewirkt und war an der Vorbereitung und Durchführung der „friedlichen Revolution“ 1989 beteiligt. 1994 trat er in den Ruhestand. Er lebt, seit 2002 verwitwet, in Erfurt und ist weiterhin publizistisch tätig.

Joachim Garstecki, Dipl.-Theol.,  geb. 1942 in Magdeburg, 1960-1965 Studium der Philosophie und katholischen Theologie in Erfurt; verheiratet mit der Sozialarbeiterin Barbara Steffens, drei Kinder.

Ab 1965 Mitarbeit in der kirchlichen Jugendarbeit in Magdeburg, 1968 Organisation des ersten und einzigen katholischen Jugendforums zum Thema „Einige Leute loben den Frieden“ in der DDR. 1971-1990 Referent für Friedensfragen beim Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR in Ost-Berlin; ab 1974 in der Theologischen Studienabteilung, die projektorientierte Studienarbeit im Auftrag der acht evangelischen Landeskirchen in der DDR leistete. 1980 Erarbeitung eines „Rahmenkonzeptes Erziehung zum Frieden“ als Antwort der evangelischen Kirchen auf die Einführung des obligatorischen Wehr- unterrichtes durch die DDR-Regierung.

1991-2000 Generalsekretär der Katholischen Friedenbewegung Pax Christi/deutscher Zweig mit Sitz in Bad Vilbel. 2001-2007 Studienleiter der Stiftung Adam von Trott e.V. im osthessischen Imshausen, dort historisch-politische Bildungsarbeit im Anschluss an den Widerstad gegen die NS-Diktatur. Walter-Dirks-Preis Frankfurt 1996 und Lothar-Kreyssig-Friedenspreis Magdeburg 2007; Resümee von dreissig Jahren kirchlicher Friedensarbeit mit dem Band „Gewaltfreiheit politisch denken. Anstöße zur Friedensdebatte in Ost und West 1981- 012“ (2014). Lebt seit 2007 mit seiner Frau im Ruhestand in Magdeburg.