20. Februar 2021: Lukas 10, 1-16

Am Donnerstag wurden wir vom Evangelisten Lukas mitgenommen auf eine neue Wegstrecke Jesu,
seiner entschlossenen Hinwendung auf Jerusalem zu,
dem Ort, wo sich alles vollenden wird,
dem Ort heilsgeschichtlicher Erfüllung,
das zentrale Thema auch der Apostelgeschichte des Lukas für den Weg der Kirche.

Galiläa, den See Genezareth, das Hin- und Herwandern, das Fahren von einem Ufer zum andern lässt Jesus hinter sich.
Sein Weg wird geradlinig und zielgerichtet.
Er wählt dazu einen erweiterten Jüngerkreis aus
und sendet sie zu zweit in die Dörfer und Städte,
um die „Orte“ vorzubereiten,
wohin er kommen wollte,
auch den Besuch bei Marta und Maria,
auch den Einzug in Jerusalem,
auch den Ort des letzten Mahles,
auch den Ort einsamen und schmerzhaften Betens.
Und wie haben sie sich abgesetzt von dieser Sendung!

Unser Dienst ist also, wie bei den Jüngern,
in allem was wir tun, Wegbereitung, Vor-Bereitung für Jesu Kommen zu sein,
um die Ernte im heilsgeschichtlichen Jerusalem einzubringen,
eine ernte, die Jesus wachsen und reifen lässt.
Ernten, nicht säen, d.h. mit dem Herzen hören und behutsam hervorlocken, was der Heiligen Geist in jedem Menschen bereits gewirkt hat – oft im Stillen –
auch unter Corona-Bedingungen, und uns an dieser Ernte zu freuen.

Auch Ernten in unserem eigenen Lebensraum,
schmerzhafte Erfahrungen und Begegnungen,
Dienste und Herausforderungen, die sich wandeln in ein Ja,
wenn ich ihnen den Friedensgruß zuspreche.

Sr. Ruth Meili CCR

9. Februar 2021: Lukas 8, 40-56

Zwei Frauengeschichten sind spannend ineinander verwoben. Die zwölfjährige junge Frau steht nach damaliger Auffassung am Beginn des Heiratsalters – und die gestandene Frau, deren Leben davonfließt – schon seit 12 Jahren. Diese Frau durfte seit 12 Jahren niemandem die Hand geben, sie war vom Synagogengottesdienst ausgeschlossen, konnte nicht eingeladen werden! Schlimm!

Und nun wagt sie es, sich mitten unter die Menge zu drängen, ganz dicht an Jesus heran. Das war eindeutig eine Übertretung der jüdischen Reinheitsvorschriften. Sie hat alles auf eine Karte gesetzt. Mutig! Und dann hat sie sich auch noch zu erkennen gegeben, hat vor allen Menschen gesagt, was sie quält. Peinlich! - Und dann die Tochter des Synagogenvorstehers: Der Vater liebt sein Kind so sehr, dass er vor Jesus auf die Knie fällt. Jesus holt die junge Frau wieder ins Leben zurück – er hat sie an der Hand gehalten. Vielleicht hat sie diesen Händedruck auch später immer wieder gespürt, wenn es schwierig wurde im Alltag. Und vielleicht hat sie dann wieder die wunderbaren, Mut machenden Worte Jesu im Ohr gehabt: „Mädchen, steh auf!“

Als Lukas diesen Bericht niederschrieb, wusste er von Jesu Tod und Auferstehung. So wurde diese Geschichte in der Urgemeinde zu einem Präludium der Ewigkeit und zu einem Zeichen für den Sieg über den Tod. In beiden Geschichten wird von grenzenlosem Glauben und Vertrauen erzählt. Beiden Frauen begegnet Jeus ohne Vorbehalte, beiden schenkt er Leben, Leben in Fülle. Und zwölf ist die Zahl der Fülle, der Ganzheit, der Vollkommenheit der Schöpfung!

Dein Reich komme!

Sr.  Gisela Monika Blume CCR

8. Februar 2021: Lukas 8, 26-39

Wer ist von dieser Heilungsgeschichte nicht tief befriedigt? Eine Legion Dämonen fährt in Schweine, und die ersaufen im See.

Dämonen – im Umfeld Jesu stehen sie für böse Macht.

Der Mann in Gerasa wird von ihnen an den Rand des Todes gebracht. Ursprünglich ist es das Gewissen, die innere Stimme, die mit Daimonion  beschrieben wird. Sie kann gut oder böse sein. In unserem Text werden zerstörende, mit Wucht belastete innere Stimmen von Jesus aus Sinn, Geist und Leib des Betroffenen ausgetrieben, Heilung geschieht.

Die beiden letzten Verse des Textes schreibt uns nur Lukas, bei Matthäus und Markus fehlen sie:

Aber der Mann, von dem die bösen Geister ausgefahren waren, bat Jesu, dass er bei ihm bleiben dürfe. Aber Jesus schickte ihn fort und sprach: Geh wieder heim und sage, wie große Dinge Gott an dir getan hat. Und er ging hin und verkündigte überall in der Stadt, wie große Dinge Jesus an ihm getan hatte.

Bei Jesus bleiben dürfen. So ein Begehren führt in Kirchengemeinden, führte uns in die Communität. Bei Jesus bleiben – die Benediktsregel weist an,  aus diesem Bleiben, aus der Stabilitas Kraft zu ziehen. Es ist die eine Seite der Medaille.

Die andere weist an die Menschen: Sag weiter was an dir geschehen ist. Und er ging hin und verkündete.  Er ging in Kontakt, er sucht die anderen Menschen.

Ob er es weiß oder nicht:  Er bleibt bei Christus. Benedikt leitet an im Menschen vor dir Christus zu suchen und zu finden, in dir und dir und mir.

Wie sieht dieser Kontakt im Lockdown aus? Telefon und Internet funktionieren, die Post für Karte und Brief sowieso, der Besuch eines einzelnen in einem Haushalt ist nicht untersagt. Wer will  kann  – unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften - an einer Türe im Umkreis anklopfen und Verständnis, Trost und einen neuen Gedanken bringen. Der Phantasie und dem guten Gewissen sind wahrlich keine Schranken gesetzt.

Sr. Edith Therese Krug CCR

6. Februar 2021: Lukas 8, 22-25

Niemand von uns heute kann diese Erzählung hören ohne daran zu denken, dass „in Seenot“ geraten grausame, oft tödliche Realität ist für Flüchtende auf dem Mittelmeer.

Lukas berichtet – wie Matthäus und Markus – eine reale Gegebenheit von Jesus und den Jüngern. Zugleich ist die Seereise ein uraltes Erzählmuster und die einzelnen Phasen durchscheinend für Erfahrungen der Lebens- und Glaubensreise.

Vom sicheren Ufer ablegen – miteinander in einem Boot sitzen – plötzliche Krise – Bedrohung, Angst – der schlafende Jesus – Schreien nach Hilfe -  Sein Eingreifen – Rettung und große Stille – Staunen

Bei einem Ausleger las ich, dass diese Perikope zum einen zu den Rettungswundern gehört, aber   auch zu den  Epiphanie-Erzählungen. Wenn die Jünger am Schluss fragen –„ wer ist dieser?“ ist darin das Staunen „auch Wind und Sturm hören auf ihn“ und das Bekenntnis "Er ist Herr auch über die Naturgewalten, den Kosmos".

Beschäftigt hat mich der schlafende Jesus. Er ist anwesend und gleichzeitig ist er abwesend. Ein Bild für den abwesend scheinenden Gott, der erschütternde Winde und Stürme zulässt ohne einzugreifen. Mit Psalmworten beten wir immer wieder in der Mittagshore: wach auf, warum schläfst du oh Herr?

Üben wir uns auch weiterhin ein – der anwesend Abwesende wird unser Rufen hören.

Sr. Ellen Reisig CCR

4. Februar 2021: Lukas 8, 16-18

„So seht nun darauf, wie ihr hört“ (V18a)

Hier bin ich hängen geblieben. In der Parallelstelle bei Markus steht es anders: „So seht nun darauf, was ihr hört.“ Heute bei Lukas also wie ihr hört!

Wie höre ich? Hörweisen sind verschieden. Dreien bin ich nachgegangen:

  1. „Das geht in ein Ohr rein und aus dem anderen wieder raus“ – da ist jemandem völlig egal, was da gesagt ist; oder richtiger: der/die Sprechende ist jemandem völlig egal. „Auf Durchzug stellen“
  2. „Ich dringe nicht durch zu ihr“ – manch verzweifeltes Erzählen von Eltern über ihr Kind in der Pubertät enthält diesen Satz. Die Gehörgänge scheinen verstopft, das Wort dringt nicht bis zum – ja was? Bis zum Inneren des Menschen. Und oft genug sind dann ja auch Kopfhörer auf den Ohren.

  1. Die Hörkanäle sind frei – aber der Mensch bleibt unberührt.
  2.  Die Hörkanäle sind dicht – der Mensch ist wie eingesponnen ins Eigene.

Was da nicht alles das Hören beeinflusst: Überzeugungen, festgefügte Gedankengebäude, …
Da erreicht mich vielleicht akustisch noch ein Wort, aber es bleibt an der Oberfläche – kann/darf nicht wirklich etwas mit mir zu tun haben.

3. „Höre! … Neige deines Herzens Ohr.“ – so lauten die ersten Worte der Benediktusregel.

Wie anders: Hören, neigen, Herz und Ohr – miteinander verbunden.

Das Herz:  Es meint mehr als das Gefühl. Metaphorisch steht es für Geist, Körper und Seele.
Neigen lat. inclinare: a) sich beugen, neigen b) geneigt sein, hinwenden, Richtung geben / steht auch in Verbindung zur Demut

Höre … neige deines Herzens Ohr. In dieser Hörweise öffnet sich der Mensch existenziell, richtet sich aus – auf die Weisung des Meisters (RB), d.h. auf Christus, das Wort – im Bruder/der Schwester, im Gast, in der Schrift, in der Benediktusregel.

In dieser Hörweise will ich mich erreichen lassen. Sie ist ganz das Gegenteil von „auf Durchzug stellen“. Und die Demut verhilft mir dazu, absehen zu können von meinen Voreinstellungen, Urteilen, Überzeugungen, auch von meinen Verletzungen. Die Demut reinigt meine Gehörgänge.

„So seht nun darauf, wie ihr hört“ (V18a)

Gebet: Herr, öffne Du mein Herzensohr. Hilf mir hören – heute neu. Amen.

Sr. Franziska Fichtmüller CCR

3. Februar 2021: Lukas 8, 4-15

Heute haben wir das Gleichnis vom Sämann nach dem Lukasevangelium gehört, manchen ist es aber auch als das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld vertraut. Die Auslegung in den Versen 9 – 15 wird oft als seelsorgerliche Anweisung verstanden, sich selbst und sein Verhältnis zum Wort Gottes zu überprüfen. Das ist natürlich gut, doch möchte ich euch heute eine andere Sichtweise des Gleichnisses vorstellen.

In der christlichen Tradition wurden die Gleichnisse Jesu sehr lange allegorisch ausgelegt, bis man erst vor ungefähr 120 Jahren gesehen hat, dass sie gar keine Allegorien sind. Den Sinn eines Gleichnisses kann man mit etwas Nachdenken verstehen, für eine Allegorie braucht man einen Code, um sie zu entschlüsseln.

Nun gibt es aber viele Hinweise im heutigen Text, dass diese allegorische Auslegung ein Produkt der frühen Kirche sein muss. Der Wortschatz und einige Formulierungen, werden sonst von Jesus nie benutzt, tauchen aber nach Ostern oft in den Briefen auf, z.B. die Formulierung ´das Wort aufnehmen´, manche Begriffe gibt es nur in der griechischen Sprache und nicht im Aramäischen, das Jesus gesprochen hat. Auch das apokryphe Thomasevangelium enthält das Gleichnis ohne die Auslegung dazu.

Wenn man das Gleichnis ohne die Allegorisierung anschaut, sieht man, dass Jesus eine sehr positive Aussage macht. Der Sämann sät, und einiges wird von den Vögeln aufgepickt, und einiges vertrocknet oder wird von Dornen erstickt, aber das meiste fällt doch auf das Land und trägt Frucht. Die verstreuten Samenmengen sind nicht gleich groß! Und die Zahlenmengen der Frucht: 30, 60 und 100fach bilden auch ein großes Gegengewicht, zu dem was daneben gegangen ist.

Jesus ist gleichzeitig realistisch und sehr zuversichtlich und optimistisch. Und wenn man bedenkt, dass dieses Gleichnis das erste ist, das er erzählt, bekommt es noch mal eine besondere Bedeutung. Das macht mich froh und lässt mich hoffen. Wenn vieles auch misslingen mag, am Ende werden wir uns freuen über eine überreiche Frucht und Ernte.  

Sr. Nelly Schlecht CCR

Nach Prof. Dr. Siegfried Zimmer, worthaus.org (2021.02.03)

30. Januar 2021, Lukas 7 (18-23)

„Bist Du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ (Lukas 7, 20)

Mir scheint, dass alles in Johannes diese Frage stellt. Nicht nur eine hoffnungsvolle Sehnsucht, sondern das Herz, der Verstand und der ganze Leib des Johannes strahlen diese Frage aus: „Bist Du es?“ – so intensiv spüre ich sie im Heute.

Genauso erlebe ich Jesu Antwort: als ganzheitlich. Er lässt seine Taten sprechen. Er heilt an Leib und Seele, er heilt vitale Sinnesorgane, zieht den Menschen zurück ins lebendige Dasein, er setzt in Beziehung, er schenkt Leben.

Das ist die alles umfassende Antwort Jesu an Johannes: „Ich bin das Leben.“ – die jede simple Aussage von „Ja, ich bin’s.“ in den Schatten stellt.

Selig, wer ganzheitliche Fragen stellt und das Leben als Antwort erwartet.

Sr. Anja Veronika Waltemate CCR

EINRICHTUNGEN auf dem SCHWANBERG

Communität Casteller Ring

Geistliches Zentrum Schwanberg
Anmeldung zu Kursen & Gruppenanfragen: Rezeption 09323 32 128

Haus Respiratio

Tägliche Gebetszeiten

6:30 Uhr Morgengebet

12:00 Uhr Mittagsgebet

18:00 Uhr Abendgebet
(entfällt dienstags,
an Sonn- und Feiertagen: Beginn 17:00 Uhr)

20:00 Uhr Nachtgebet
(entfällt sonntags)

Gottesdienste mit Eucharistiefeier

9:00 Uhr am Sonntag

19:30 Uhr am Dienstag

6:30 Uhr am Freitag

Aktueller Gottesdienstplan

Newsletter

Für den Schwanberg-Newsletter mit Nachrichten aus dem Geistlichen Zentrum und der Communität können Sie sich hier anmelden.